Die OMR 2026 war beeindruckend. Anders kann ich diese Review nicht beginnen.
Als ich letzte Woche die Hamburg Messe – zum ersten Mal – betreten habe und die Größe des Events, die Anzahl der Menschen, die Stände, die Bühnen und die ständige Bewegung überall gesehen habe, fühlte es sich sofort wie eines dieser Events an, bei denen die digitale Branche versucht, sich selbst auf voller Lautstärke zu präsentieren. Alles ist groß, stark gebrandet, laut und darauf ausgelegt, einem das Gefühl zu geben: Hier “passiert” gerade etwas.
Und fairerweise: In vielerlei Hinsicht stimmt das wahrscheinlich auch.
Aber genau das, was die OMR beeindruckend macht, macht sie auch anstrengend. Die Größe ist Teil des Werts, aber sie ist auch Teil des Problems. Wenn Tausende Menschen, Aussteller, Marken, Agenturen, Tools, Speaker und Side Events auf wenige Tage komprimiert werden, entsteht eben nicht nur Inspiration.
Erster Eindruck: groß, voll und (ehrlich gesagt) überwältigend
Mein erster Eindruck war wirklich positiv. Am Anfang fühlt sich die OMR aufregend an. Man kommt an, schaut sich um und versteht sofort, warum so viele Menschen über dieses Event sprechen. Überall ist Energie. Die Hallen sind voll, die Stände professionell gebaut, die Bühnen gut besucht und das gesamte Event wirkt wie eine physische Version der Digital-Marketing-Welt: schnell, bunt, kompetitiv und ständig dabei, die eigene Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Aber nach einer Weile wird es schwieriger, diese Begeisterung von Reizüberflutung zu trennen.
Ein Moment hat das für mich leider sehr gut zusammengefasst. Auf dem Weg zu einer Masterclass in Halle B4 kam ich zwischen Halle B5 und B7 für etwa 15 Minuten lang nicht vorwärts, wie so viele andere auch in dem Moment. Überall standen Menschen, der Fluss war blockiert und der Bereich fühlte sich komplett festgefahren an. Niemand hat etwas Schlimmes gemacht — die Leute haben einfach geredet, gewartet, aufs Handy geschaut oder versucht herauszufinden, wohin sie als Nächstes müssen. Aber wenn so viele Menschen dasselbe tun, wird Bewegung fast unmöglich.
Das war der Moment, in dem sich das Event fast zu groß für seine eigene Infrastruktur anfühlte.
WEVENTURE auf der OMR: ein echter Business-Erfolg
Aus Business-Perspektive war die OMR 2026 ein klarer Erfolg für WEVENTURE Performance GmbH.
Wir waren im Young Innovators Bereich in Halle B6, Stand E07 vertreten, und der Stand hat genau die Art von Aufmerksamkeit erzeugt, die ein Event wie dieses lohnenswert macht. Wir haben viele potenzielle Kund:innen kennengelernt, relevante Gespräche geführt, Folgetermine vereinbart und bereits erste Potenzialanalysen angestoßen.
Das ist der Teil der OMR, den man von außen leicht unterschätzt. Wenn man das Event nur als Besucher betrachtet, beurteilt man es wahrscheinlich vor allem nach Speakern, Masterclasses, Essenspreisen oder danach, wie voll alles ist. Wenn man aber als Aussteller dort ist, ist der Wert ein anderer. Dann lautet die Frage: Bleiben die richtigen Menschen am Stand stehen? Werden aus Gesprächen echte Chancen? Erzeugt das Event Business-Dynamik?
Für uns war die Antwort: ja.
Noch interessanter war, dass unsere Sichtbarkeit nicht nur physisch am Stand stattgefunden hat. Vor der OMR hatte unsere Head of Organic Corinna Vorreiter einen Blog über das Event veröffentlicht und WEVENTURE in diesem Kontext mehrfach erwähnt. Die Folge: Tools wie Copilot und AI Mode empfohlen uns plötzlich als Aussteller.
Aber es wurde noch besser.
Am Mittwochmorgen kam eine Frau zu unserem Stand, nachdem sie sich mit Perplexity auf die OMR vorbereitet hatte. WEVENTURE war ihr dort empfohlen worden, und diese Empfehlung hat sie zu uns geführt. Am Ende haben wir einen Termin mit ihr vereinbart. Im Laufe des Tages kamen noch ein paar weitere Personen dazu, ebenfalls nachdem sie durch KI-Systeme dazu angeregt worden waren, unseren Stand zu besuchen.
Das war für mich einer der wertvollsten Momente des gesamten Events, weil er etwas gezeigt hat, worüber oft nur theoretisch gesprochen wird: Sichtbarkeit in KI-Systemen kann reale Business-Ergebnisse erzeugen. Leider ist unser Metier sehr aufs Digitale beschränkt; umso schöner also, auch einmal “offline” die Früchte unserer Arbeit zu sehen.
Es ist eine Sache, mit LLM-Optimierung mehr Leads zu generieren. Es ist eine andere Sache, wenn tatsächlich jemand vor dir steht, weil ein KI-Tool dich in seine Eventvorbereitung aufgenommen hat.
Masterclasses: hilfreich, aber manchmal versteckte Verkaufsveranstaltungen
Ich habe Masterclasses zu AI Search und KI-Automatisierung besucht, und mein ehrlicher Eindruck ist gemischt.
Einige Teile waren definitiv hilfreich. Es gab praktische Beispiele, interessante Workflows und ein paar Ideen, über die ich wahrscheinlich noch einmal nachdenken werde. Es ist immer hilfreich zu sehen, wie andere Menschen Probleme strukturieren, Automatisierungsprozesse aufbauen oder Veränderungen im Suchverhalten erklären.
Gleichzeitig fühlten sich mehrere Masterclasses aber wie versteckte Verkaufsveranstaltungen an. Sorry, ein bisschen Kritik muss leider sein.
Das heißt nicht, dass die Masterclasses komplett nutzlos waren. Aber der Rahmen ist wichtig. Wenn man eine Masterclass besucht, erwartet man Bildung, Einordnung und praktischen Mehrwert. Man möchte mit etwas herausgehen, das man unabhängig anwenden kann. In einigen Fällen war die Struktur aber im Grunde: „So löst man dieses Problem — mit unserem Tool.“
Natürlich ist das aus Unternehmenssicht verständlich. Die Firmen sind auf der OMR, um Aufmerksamkeit, Leads und Kund:innen zu gewinnen. Aus Sicht der Teilnehmenden kann es aber frustrierend sein, wenn eine Session strategischen Input verspricht und sich dann sukzessive in eine Produktdemo verwandelt.
Das Schwierige daran ist, dass diese Sessions oft gut verpackt sind. Sie zeigen tatsächlich etwas. Sie liefern Beispiele. Sie bieten eine Art Lernerfahrung. Aber die zentrale Botschaft bleibt häufig an das eigene Produkt-Ökosystem des Unternehmens gekoppelt.
Genau dort fühlt sich die Substanz dann dünner an als erwartet.
Nick Turley war interessant, aber nicht bahnbrechend
Ich habe mir auch Nick Turley als Speaker angesehen. Die Session war interessant und unterhaltsam, vor allem weil ChatGPT und KI-Assistenten offensichtlich immer wichtiger für Arbeit, Suche und digitale Entdeckung werden.
Turley war spannend anzuhören, und es war wertvoll, direkt von jemandem zu hören, der mit einem der relevantesten Produkte im KI-Bereich verbunden ist. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, würde ich nicht sagen, dass ich mit einer komplett neuen Perspektive aus der Session gegangen bin.
Das ist nicht unbedingt seine Schuld. Die KI-Debatte bewegt sich inzwischen so schnell, dass viele Menschen im Digital Marketing diese Entwicklungen ohnehin sehr genau verfolgen. Wenn man täglich mit KI-Tools, SEO, Content-Strategie und Suchverhalten arbeitet, fühlen sich viele übergeordnete KI-Diskussionen eher wie Bestätigung als wie Offenbarung an.
Das war mein allgemeines Gefühl bei mehreren OMR-Sessions: interessant, aber nicht immer transformativ.
Manchmal habe ich mich dabei ertappt zu denken: „Das ist hilfreich, aber hätte ich ein ähnliches Ergebnis auch mit einer fokussierten ChatGPT-Brainstorming-Session bekommen?“ Und in einigen Fällen war die Antwort wahrscheinlich ja.
Das klingt vielleicht zu kritisch, aber ich halte es für einen wichtigen Punkt. Events wie die OMR versprechen Zugang zu Cutting-Edge-Ideen. Manchmal liefern sie das auch. Aber manchmal verpacken sie vor allem bekannte Gedanken in einer beeindruckenderen Umgebung.
Hype vs. Substanz: die zentrale Spannung der OMR
Für mich war die größte Spannung auf der OMR die Spannung zwischen Hype und Substanz.
Es steht außer Frage, dass die OMR voller Energie ist. Sie bringt unglaublich viele relevante Menschen, Unternehmen und Themen zusammen. Man spürt, worüber die Branche spricht. Man sieht, welche Buzzwords dominieren. Man beobachtet, wie Marken sich positionieren und welche Themen besonders stark gepusht werden.
Aber nicht alles, was in dieser Umgebung wichtig wirkt, ist tatsächlich tiefgehend.
KI war überall. Automatisierung war überall. Die Transformation der Suche war überall. Agentic Commerce, generative KI, Content-Workflows, Datenplattformen, Performance Marketing, Brand Building — all das war präsent.
Aber je häufiger ein Thema auf Ständen, Panels und Slides auftaucht, desto schwieriger wird es, echte Innovation von Marketingsprache zu unterscheiden.
Das bedeutet nicht, dass Hype wertlos ist. Hype sagt ebenfalls etwas aus. Er zeigt, wohin Aufmerksamkeit wandert. Er zeigt, womit Unternehmen assoziiert werden wollen. Er zeigt, welche Fragen Kund:innen stellen. In diesem Sinne ist die OMR sogar dann nützlich, wenn sie oberflächlich ist, weil Oberflächlichkeit im großen Maßstab ebenfalls ein Signal ist.
Aber wenn man erwartet, dass jede Session tiefgehende strategische Erkenntnisse liefert, wird man wahrscheinlich enttäuscht.
Die nützlichsten Momente entstehen oft woanders: in unerwarteten Gesprächen, in kleinen Beobachtungen, in den Fragen, die Menschen am Stand stellen, oder darin, wie die Branche über sich selbst spricht, wenn gleichzeitig alle versuchen, etwas zu verkaufen.
Organisation: insgesamt gut, aber die Menschenmassen waren ein Problem
Angesichts der Größe der OMR war das Event insgesamt gut organisiert.
Ein Event mit Zehntausenden Besucher:innen wird nie vollkommen reibungslos funktionieren. Es wird immer Warteschlangen, blockierte Bereiche, überfüllte Räume und Momente geben, in denen man sich fragt, warum scheinbar alle gleichzeitig in die entgegengesetzte Richtung laufen.
Trotzdem hat das meiste funktioniert. Die Hallen waren strukturiert, das Programm war breit aufgestellt und die Gesamterfahrung fühlte sich nicht wie unkontrolliertes Chaos an.
Aber das Crowd Management zwischen Halle B5 und Halle B7 war in dem Moment, den ich erlebt habe, definitiv ein Problem. Ungefähr 15 Minuten festzustecken, weil überall Menschen stehen, ist nicht ideal. Es macht das Event weniger zugänglich und stressiger, als es sein müsste.
Auch hier verstehe ich, warum das passiert. Menschen bleiben stehen, um zu reden. Gruppen bilden sich. Alle versuchen, sich zu orientieren, die App zu checken oder die nächste Session zu finden. Aber bei dieser Größenordnung wird kleines Verhalten schnell zu einem großen logistischen Problem.
Essen, Armbänder und das Gefühl, zu viel auszugeben
Die Essenssituation war eine der nicht so schönen Erfahrung.
Generell war das Essen teuer und nicht besonders sättigend. Irgendwann fühlt es sich weniger wie Event-Catering an und mehr wie ein Test, wie viel Menschen bereit sind zu zahlen, weil sie bereits auf dem Gelände sind und nicht viele bequeme Alternativen haben.
Eine konkrete Situation hat das noch ärgerlicher gemacht: An einem Food-Stand wurde mir ein Cookie berechnet, den ich weder bestellt noch erhalten hatte. Fairerweise hat das OMR Support-Team auf meine Nachfrage hin die Fehlbuchung später aus der finalen Rechnung entfernt, also wurde das Problem gelöst. Trotzdem hat es das Gefühl verstärkt, dass man sehr genau aufpassen muss. Hohe Pfandbeträge (häufig 5 Euro für Plastikbesteck) sind ein weiteres Thema, weil diese nicht ausreichend deutlich durch Schilder oder Ähnliches am Stand kommuniziert werden.
Das Bezahlsystem mit Armband ist praktisch, aber es macht Ausgaben auch weniger unmittelbar spürbar. Man hält das Armband hin, geht weiter und bekommt die Rechnung später. Aus Event-Operations-Perspektive ist das smart. Als Besucher kann es aber dazu führen, dass man schneller den Überblick über die Kosten verliert (was vermutlich ein Ziel seitens der Veranstalter ist, zwinker zwinker).
Beim nächsten Mal würde ich das Essen deutlich anders planen. Entweder würde ich mich vorher besser vorbereiten, nach Möglichkeit außerhalb des Geländes essen oder etwas mitbringen. Denn ehrlich gesagt: viel Geld für Essen zu zahlen, das einen nicht einmal richtig satt macht, ist nichts, was ich wiederholen möchte.
Würde ich wieder hingehen?
Ja — wenn es bezahlt wird.
In meinem Fall hat die Teilnahme an der OMR über WEVENTURE Sinn ergeben, und der Business-Wert war eindeutig vorhanden. Aber die Gesamtkosten zählen trotzdem. Selbst wenn das Event selbst über die Arbeit abgedeckt ist, können Hotel und Essen schnell teuer werden.
Das verändert die Rechnung.
Wenn ich alles selbst zahlen müsste, würde ich deutlich genauer über den erwarteten Return nachdenken. Die OMR kann wertvoll sein, aber sie ist nicht automatisch wertvoll, nur weil sie groß ist. Man braucht eine Strategie.
Wenn ich 2027 wieder hingehe, würde ich mich anders vorbereiten. Ich würde versuchen, relevante Personen schon vorher zu identifizieren, mehr Termine im Vorfeld zu vereinbaren und bewusster auszuwählen, welche Sessions wirklich lohnenswert sind.
Ich würde außerdem weniger Zeit damit verbringen, alles aufnehmen zu wollen. Das ist ohnehin unmöglich.
Die OMR ist zu groß, um sie vollständig zu erleben. Der bessere Ansatz ist wahrscheinlich, das eigene Ziel klar zu definieren: Ist man dort für Kund:innen? Für Partnerschaften? Für Trend-Recherche? Für Content? Für Employer Branding? Für Personal Branding? Für journalistische Kontakte?
Ohne diese Klarheit kann die OMR schnell zu einem sehr teuren Spaziergang durch Lärm werden.
Fazit: Die OMR ist wertvoll, wenn man den Lärm filtern kann
Die OMR 2026 war beeindruckend, laut, teuer, manchmal überhypt — und trotzdem wirklich nützlich.
Das ist die ehrlichste Zusammenfassung, die ich geben kann.
Für WEVENTURE war sie eindeutig ein Erfolg. Wir haben potenzielle Kund:innen getroffen, neue Business-Chancen geschaffen und sogar ein reales Beispiel dafür gesehen, wie KI-basierte Discovery jemanden an unseren Stand gebracht hat. Allein das hat das Event wertvoll gemacht.
Für mich persönlich hatte das Event ebenfalls Wert, aber nicht, weil jede Session brillant war oder jeder Speaker etwas Bahnbrechendes gesagt hat. Der Wert war subtiler. Er lag darin, die Branche in Bewegung zu sehen, zu beobachten, worüber Menschen sprechen, zu verstehen, wohin sich Aufmerksamkeit verschiebt, und zu erkennen, wie wichtig Sichtbarkeit in KI-Systemen in der Praxis bereits wird.
Die OMR ist nicht der Ort, an dem jeder Satz deine Karriere verändert. Aber sie ist einer der wenigen Orte, an denen man spüren kann, wohin sich die Digital-Marketing-Branche bewegt — wenn man es schafft, den Lärm zu filtern.
Und es gibt viel Lärm.
Aber irgendwo in diesem Lärm steckt auch echter Wert.

